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22.06.2024 Auf den Spuren der Levada- und Tunnelarbeiter zum Tunnel in Chao das Faias
Datum: 14.06.2024
Anfahrt: Calheta - Lamaceiros - Sao Jorge (2 Autos)
Vorgeschichte: Wer sich mit Levadas intensiv beschäftigt kennt die Geschichte dieses Weges:
1964-1966 wurde die Levada die Levada dos Tornos gebaut, in Ergänzung zu den älteren Levadas wurde damit die Wasserversorgung der Gegend östlich von Funchal bis Santa Cruz sichergestellt. Ein Teil des Levadabaus sind die beiden langen Tunnels von Faja do Penedo nach Chao das Faias und von dort weiter zur Ribeira Seca bei der Faja da Nogueira.
Um die Bauzeit zu verkürzen wurde auch von Chao das Faias aus gebohrt/gesprengt, dazu war ein Zugang auch für kleiner Fahrzeuge wie Jeeps nötig, nicht auch zuletzt, um die Arbeiter an diesen abgelegenen Ort zu transportieren.
Dazu wurde eine Piste quer durch den Loorbeerwald durch abschüssiges Gebiet erstellt. Zeitzeugen berichten von den schon damals abenteuerlichen Balanceakten bei den Fahrten, es dürfte wohl auch zu Unfällen gekommen sein.
Diese Piste blieb bis zum Abschluss der Tunnelarbeiten 1966 in Betrieb. Danach war Chao das Faias bequem von Faja do Penedo durch den Tunnel erreichbar, und die Unmengen von Beton konnten im Levadabett auf Schiffen transportiert werden.
Die Schotterpiste wurde nicht mehr gebraucht, nicht mehr unterhalten und verfiel je länger je mehr.
Allerdings war die Begehung zu Fuss bis ca. 2012 relativ problemlos machbar, danach machten Steinschläge und Erdrutsche die Wanderung sehr herausfordernd.
Ein riesiges Brombeerfeld etwa in der Mitte zwischen Levada do Rei und Chao das Faias ist die Knacknuss und versperrt den Weg über einen Erdrutsch, hier mussten viele frühere Versuche abgebrochen werden.
Ein fleissiges Mitglied unseres Madeira-Forums hat in mehrtägiger Vorarbeit das Brombeerfeld und auch einige prekäre Stellen gereinigt und durchgängig gemacht. Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an Lorenz!
Eine weitere Knacknuss war die Frage, wie die Jeeps von der breiten Stelle nach der Querung des Ribeiro de Sebastião Vaz, wohin ein Fahrzeug problemlos kommt, bis zum Ort, wo die Piste deutlich sichtbar die Levada do Rei verlässt, gekommen sind.
Auch diese Frage wurde von unserem Experten geklärt, bei der Cascata da Levada do Rei führt ein zunächst breiter Weg parallel oberhalb der Levada ins Tal, das letzte Stück, bevor man auf die Levada do Rei trifft, ist teilweise abgebrochen, aber zu Fuss gefahrlos begehbar.
Verlauf: Mit diesen Informationen und im idealen Zeitfenster nach der letzten Passage unseres Forumsmitgliedes machten wir uns also auf diese ziemlich anspruchsvolle Wanderung.
Gestartet sind wir in der Nähe der Quinta Levada do Rei und kamen über Waldpisten zum Ribeiro de Sebastião Vaz. Ab hier ist die Levada zugedeckt und breit, entspricht also der alten Jeeppiste.
Vor einer Bachquerung wird der Levadaweg schmal und nach rechts führt eine Piste zum Wasserfall.
Ab hier geht es auf manchmal breitem, manchmal schmalen, teils zugewachsenem Weg bis oberhalb der Stelle, wo der Abgang der Piste von der Levada do Rei beginnt. Hier macht die alte Piste eine Spitzkehre, davon sieht man allerdings nichts mehr.
Man umgeht also auf diesem Weg sie schmale Felspassage mit Tunnel auf der Levada do Rei. Jedensfalls staunten die Touris auf der Levada nicht schlicht, als wir über ihren Köpfen herumbalancierten.....
Weiter ging es auf dem teilweise zugewachsenen Weg relativ problemlos bis zum Ribeiro Bonito. Ein mystisches grünes Paradies mit vielen Loorbeerriesen!
Der Aufstieg zum Lombo dos Pessegueiros war geprägt von entspannten Abschnitten auf der fast unversehrten Piste und ein paar Kletterpartien über umgestürzte Bäume und auch einer etwas heiklen ausgesetzten Querung eines Erdrutsches.
Danach hat man immer wieder tolle Ausblicke ins Tal der Ribeira Grande. Der Weg wechselt auch hier zwischen breiten Passagen und schmalen exponierten Stellen, wo man schon trittsicher sein sollte, aber der Weg war eigentlich immer eindeutig. Lorenz hat da toll vorgearbeitet!
Der Blick aufs Brombeerfeld ist tatsächlich eindrücklich, ohne Vorarbeit mit einem Messer ist hier kaum ein Durchkommen!
Man kommt nur sehr langsam vorwärts, aber mit Vorsicht ist diese Strecke gut zu bewältigen.
Nach einer letzten Querung eines Bachbettes, wo von der alten Piste nun gar nichts mehr zu sehen ist, kommt man an einen Abzweig mit einer Markierung, dass unser Weg, auf dem wir gekommen sind, gesperrt ist...
Hier zweigt ein schmaler Pfad zur Madre der Levada das Casinhas ab, wo ich 2014 bereits von Chao das Faias aus kommend war. Der Zugang ist spektakulär in den Fels gehauen, die Madre selbst befindet sich in einem Wasserfall, diesen letzten Teil habe ich mir diesmal geschenkt, der Aufstieg über die exponierte Levadatreppe unter Dauerberieselung ist nicht etwas, das man jeden Tag machen will.
Auf dem gleichen Felsenweg zurück bis zur Abzweigung und auf nun gutem Weg entlang von grossartigen Baumriesen bis zum idyllischen Plätzchen Chao das Faias inmitten einer wilden Landschaft.
Auch die imposante Bachverbauung beeindruckt immer wieder, unglaublich, was hier in dieses Bachbett gestellt wurde.
Wir wussten auch, dass der Rest nun ziemlich entspannt sein würde und konnten uns etwas zurücklehnen und entspannen.
Nach der Passage des Tunnels Richtung Faja do Penedo ging es auf einer breiten Piste zurück nach Lamaceiros, wo wir unser erstes Auto geparkt hatten.
Die neuesten Rückmeldungen von Lorenz besagen, dass es 2025 im Winter weitere Erdrutsche und Steinschläge gegeben hat, wie der Weg sich verändert hat, ist unklar, jedenfalls sollte man gewappnet sein, allenfalls umzukehren, wenn es zu gefährlich wird!
Distanz: 19.5 Km, 450 Hm Aufstieg, 600 Hm Abstieg
Start: 10.15 Sao Jorge (Quinta Levada do Rei)
Ende: 17.25 Lamaceiros
Zustand: Für die ganze Wanderung sind Trittsicherheit, guter Orientierungssinn und Schwindelfreiheit absolut nötig, nicht bei oder nach starken Regenfällen!
Die Runde sollte nur in Begleitung begangen werden.
Der aktuelle Zustand ist unklar!
Bemerkungen: Es ging uns bei dieser Wanderung vor allem um das Erleben von Levadageschichte, der Weg an sich ist jetzt nicht das absolute Highlight! Es ist schon eine ziemlich stachelige Angelegenheit!
GPS-Daten: Original GPS-Track
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